Freier und Dirnen ziehts nach Olten

Freier und Dirnen werden vergrämt
Dirnen erobern Olten.
Quelle: az Solothurner Zeitung

Die Zahl der Prostituierten an der Oltner Haslistrasse hat sich gemäss Schätzung von Iris Schelbert auf rund 50 verdoppelt. Die für die öffentliche Sicherheit zuständige Stadträtin sieht allmählich Handlungsbedarf.

Remo Hess

Der Oltner Strassenstrich ist seit der Einführung des neuen Verkehrsregimes an der Industriestrasse Anfang 2005 um ein Vielfaches geschrumpft. 15 bis 20 Frauen boten seither ihre Dienste an der etwas weiter östlich gelegenen Haslistrasse an. Nun gibt der Strich wieder zu reden.

Nach Einschätzung von Stadträtin Iris Schelbert und der Polizei hat sich in letzter Zeit die Anzahl anschaffender Frauen arg erhöht. Es seien momentan um die 50 Frauen, die zu Spitzenzeiten an der Haslistrasse stehen.

Neue vor allem aus Ungarn

«Der Strich in Olten ist seit diesem Sommer von Frauen aus Osteuropa, vor allem aus Ungarn, regelrecht in Beschlag genommen worden», sagt Iris Schelbert. Diese «Zuwanderung» sei aber in der ganzen Schweiz zu beobachten und Grund, warum der Strich am Zürcher Sihlquai so stark angewachsen ist.

Es gelte nun, scharf zu beobachten, was die anderen Städte machen. «Wenn die Behörden in Zürich den Strich schliessen oder stark verkleinern, gehe ich davon aus, dass die Prostituierten auf Olten ausweichen.» Für diesen Fall will die Stadträtin gewappnet sein und steht deshalb in engem Kontakt mit dem Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi.

Für Olten bedeutet die Zunahme an Sexarbeiterinnen ganz klar mehr Ärger. Schelbert berichtet von aufgebrachten Liegenschaftsbesitzern, die sich über «gruusige» Überbleibsel des nächtlichen Treibens wie Taschentücher und gebrauchte Kondome rund um ihre Grundstücke beschwert haben.

Auch auf den Gehsteigen und in den Gebüschen bleibe einiges liegen. Vielleicht habe dies mit fehlendem «Berufsethos» der Osteuropäerinnen zu tun. Schelbert berichtet von einer Sitzung im Rahmen des Betreuungsangebots Lysistrada, wo sich eine Schweizer Sexarbeiterin über die «Neuen» beschwerte, weil die ihren Abfall einfach so liegen lassen.

Für Schelbert ist die «kritische Grenze» erreicht. Es gelte nun, Massnahmen ins Auge fassen. Jedoch sei der Handlungsspielraum «relativ beschränkt». «Wir haben in der Gemeindeordnung nur die Möglichkeit, Prostitution rund um Schulhäuser, Kirchen, Wohnquartiere und Bushaltestellen zu unterbinden.» Sie grundsätzlich zu verbieten, sei nicht möglich.

Es seien jedoch bereits juristische Abklärungen im Gang, inwiefern man den Betrieb an der Haslistrasse einschränken könne. Eine Änderung der Gemeindeordnung müsste aber vom Parlament abgesegnet werden. Und dieser Prozess dauert bekanntlich ein wenig.

Vergrämungsmassnahmen

Welche kurzfristigen Massnahmen sind möglich? «Die Polizei ist jetzt schon regelmässig und oft vor Ort. Sie führt dabei verstärkt Personenkontrollen bei den Freiern und Prostituierten durch.» Auch würden verstärkt Verkehrskontrollen an und um die Haslistrasse gemacht.

«Diese Vergrämungsmassnahmen zeigen am ehesten Wirkung.» Schelbert betont denn auch, Gewerbe und Liegenschaftsbesitzer hätten mit ihren Anliegen bei der Stadt absolute Priorität. Ein Strich sei für keine Stadt wünschenswert und man wolle um keinen Preis wieder den «längsten Strich der Schweiz» beheimaten.

Quelle: az Grenchner Tagblatt

Letztes Update: 04.09.10, 09:55 Uhr

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