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Wer isst, kommt schneller raus
Vom Beinbruch bis zum Hirnschlag: Die Ernährung ist immer Teil der Therapie und hat einen wesentlichen Einfluss auf Genesung und Spitalaufenthaltsdauer.
Rolf Meier hat einen Hirnschlag erlitten, bei Claudia Wernli wird Diabetes mellitus Typ 1 diagnostiziert, und Stefan Kobel hat sich bei einem Autounfall mehrere komplizierte Knochenbrüche zugezogen. So unterschiedlich die einzelnen Diagnosen, etwas verbindet die drei Patienten: Essen müssen sie alle. Auch im Spital.
«Bei vielen Leuten herrscht die Meinung vor, dass in einem Spital in erster Linie Tumore behandelt, beeinträchtigte Gelenke ersetzt oder komplexe Untersuchungen vorgenommen werden. Dem Essen wird in diesen Situationen vielfach keine grosse Bedeutung beigemessen, zumal abhängig vom Krankheitszustand der Appetit fehlt oder essen erschwert ist - etwa bei ständiger Übelkeit, starken Schmerzen oder grosser Müdigkeit», sagt Ursula Willi, Ernährungsberaterin im Kantonsspital Baden.
Das Gegenteil sei jedoch der Fall: «Egal, welche Krankheitsgeschichte eine Person aufweist - die Ernährung ist immer ein wesentlicher Teil der Therapie sowie der Genesung.» Mehr noch: Der Ernährungszustand stehe im direkten Zusammenhang mit der Spitalaufenthaltsdauer; und auch die verschiedenen Therapien - etwa Chemotherapie oder Wundbehandlung - zeigten bei optimal ernährten Patienten grössere Wirkung. Im besonderen Mass gilt dies für Personen, die sich auf der Intensivstation befinden (siehe Artikel unten).
Jürg H. Beer, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin, bestätigt die Aussagen von Ursula Willi: «Ist ein Patient mit Kalorien, Eiweiss sowie Vitaminen und Mineralstoffen ungenügend versorgt, hat er meist auch eine nur sehr langsam fortschreitende Wundheilung.» Ein schlechter Ernährungszustand vor einer Operation gehe einher mit einer erhöhten Komplikationsrate - zum Beispiel Infektionen und deren Konsequenzen. Daten klinischer Studien belegen, dass der Ernährungszustand einen wichtigen, unabhängigen Einfluss auf die individuelle Mortalität, Morbidität, Therapietoleranz, Komplikationsrate und damit auf die Prognose das Patienten hat.
Was heisst das nun konkret? Im Kantonsspital Baden kümmern sich Fachleute aus verschiedenen Bereichen (Ärzte, Pflegepersonal, Ernährungsberaterinnen, Köche) um einen guten Ernährungszustand der Patienten. «Die interdisziplinäre Zusammenarbeit, etwa in Form von Gesprächen und Standortbestimmungen auf der Visite oder per elektronischem Austausch, ist enorm wichtig», betont Jürg H. Beer. Esse beispielsweise ein Patient von Tag zu Tag weniger, informiere der Krankenpfleger, der das volle Tablett wieder aus dem Zimmer trägt, den Arzt. Die Ursachen würden analysiert, das Ernährungsziel definiert und mögliche Massnahmen mit den Betroffenen, eventuell auch deren Angehörigen, besprochen und eingeleitet.
Willi verweist auf eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit aus dem Jahr 2004: «Im Schnitt sind etwa 20 Prozent der Patienten mangelernährt. Das ist sicher eine erschreckend grosse Zahl.» Betroffen sind in erster Linie hochbetagte Menschen, chronisch Kranke oder schwer erkrankte Patienten des Akutspitals. Um den Ernährungszustand zu beurteilen, kann neben der klinischen Untersuchung ein spezieller Fragebogen, der «Nutrition Risk Score», eingesetzt werden. Pflegepersonal und Ärzteschaft werden laufend zum Thema Mangelernährung sensibilisiert.
«Auch übergewichtige Menschen können Nährstoffmängel aufweisen. Übergewicht und Mangelernährung schliessen sich nicht automatisch aus. Die Folgen der Überernährung wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Hypertonie, Diabetes mellitus oder Gelenkprobleme müssen mit in die Therapie einbezogen werden. Trotzdem geht es während einem Spitalaufenthalt nicht darum, abzunehmen», sagt Jürg H. Beer. «Gesund werden oder mindestens die Krankheit stabilisieren» laute vielmehr die Devise. Die Küche könne für die Ernährung zu Hause Beispiele, Denkanstösse und Anschauungsunterricht geben.
«Personen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, einer chronischen Asthma-Bronchitis etwa, benötigen sogar mehr Kalorien als andere Patienten. In welcher Form, spielt - je nach Gesundheitszustand - keine Rolle. Vielmehr zählt, dass genügend Nährstoffe respektive genügend Energie eingenommen werden», erklärt der Arzt.
Und wie ist es den drei eingangs erwähnten Patienten ergangen? «Rolf Meier musste nach seinem Hirnschlag erst mit Hilfe einer Logopädin wieder lernen, zu kauen und zu schlucken. Seine Nahrung musste anfänglich von weicher Konsistenz sein», blickt Ursula Willi zurück. Claudia Wernli hat gelernt, Ernährung, Insulintherapie sowie Bewegung aufeinander abzustimmen. Ihr Ziel sind konstante Blutzuckerwerte. Sie wird unterstützt und beraten durch ihren Hausarzt und durch die Diabetes- und Ernährungsberatung. Und Stefan Kobel ist auf dem besten Weg der Genesung. Noch konnte er zwar nicht aus dem Spital entlassen werden - aber er hat wieder guten Appetit und geniesst die grosse Menüauswahl im Kantonsspital Baden.
Quelle: Gesundheit Aargau
Letztes Update: 22.10.09, 10:43 Uhr





