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Wenn der Bauch zwickt und zwackt
Interview Henrik Köhler, der neue Chefarzt der Kinderklinik am Kantonsspital Aarau, über Bauchschmerzen bei Kindern, Fett-Lebern bei Jugendlichen und den Kinderarzt-Mangel im Kanton
Herr Köhler, Sie biten neu für Kinder mit Magen-, Darm- und Lebererkrankungen an. Mit welchen Symptomen kommen die jungen Patienten zu Ihnen?
Henrik Köhler: Vor allem wegen Bauchschmerzen oder Problemen mit dem Stuhlgang, also wegen häufigen Durchfalls oder Verstopfung.
Wegen «ein bisschen Bauchweh» springt man mit dem Kind aber wohl kaum sofort zum Arzt.
Nein, das ist auch nicht nötig. Wir unterscheiden zwischen funktionellen Bauchschmerzen, die wie Kopfschmerzen bei Migräne kommen und gehen und häufig auch psychisch bedingt sind. Das Reizdarmsyndrom ist ein Beispiel dafür. Wenn ein Kind während der Schulzeit häufig Bauchschmerzen hat, während der Ferien aber nicht, liegt die Ursache wohl eher in der Schule begründet als im Bauch. Das ändert aber nichts daran, dass die Kinder unter den Beschwerden leiden können. Wichtig ist, rechtzeitig zu erkennen, wenn organische, also körperliche Gründe der Auslöser sind.
Ein konkretes Beispiel?
Bei einem 13-jährigen Patienten, der häufig an Bauchschmerzen litt, diagnostizierten wir nach eingehender körperlicher Untersuchung, der Analyse von Blut- und Stuhlproben, Ultraschall und einer Magen-Darm-Spiegelung Morbus Crohn. Eine Krankheit, die immer häufiger bereits im Kindesalter beginnt, aber leider oft erst bei Erwachsenen in Erwägung gezogen wird.
Behandelt wird sie dann auch wie bei einem Erwachsenen?
Man kann bei der Behandlung von Kindern nur bedingt Parallelen ziehen zur Behandlung Erwachsener. In der Pubertät müssen wir den Hormonhaushalt und das Wachstum in der Auswahl der Medikamente und der etwaigen Ernährungstherapie berücksichtigen. Bei Säuglingen sind grosse Teile des Stoffwechsels noch nicht ausgereift. Generell gilt es immer die aktuelle Entwicklungsphase zu berücksichtigen.
Gibt es genügend Ärzte, die mit den besonderen Bedürfnissen von Kindern vertraut sind?
Nein, im Aargau herrscht ein Mangel an Kinder- und Jugendärzten. Das gilt auch besonders für die Grundversorgung in der wohnortnahen Kinderarztpraxis. Das KSA plant darum für 2012 eine eigene Kinder- und Jugendarztpraxis. Unser Ziel ist, dass wir alle Dienstleistungen an einem Ort anbieten können – von der Routine- Untersuchung über die Impfung bis zu komplizierten Eingriffen. Wichtig ist, dass wir damit mehr Kinderärzte auf eine Tätigkeit in der eigenen Praxis vorbereiten können und mithelfen, die Versorgungslücken im Kanton zu schliessen.
Immer mehr Kinder sind übergewichtig. Merken Sie davon etwas?
Leider ja. Seit einigen Jahren sehen wir gehäuft Fettlebern bereits bei Jugendlichen. Das ist gefährlich, weil die Leber in diesem Zustand ihre Funktion nicht mehr optimal ausübt.
Andere häufige Krankheiten?
Da wäre zum einen die Zöliakie, also Glutenunverträglichkeit; daneben auch die chronische Leberentzündung, Hepatitis. Eher selten sind vererbte Formen von Bauchspeicheldrüse- Entzündungen. Bei all diesen Krankheiten ist der Knackpunkt, dass sie lange unentdeckt bleiben. Je früher man aber die Krankheit erkennt und behandelt, desto grösser ist die Chance auf eine Heilung.
Kleine Kinder können nicht genau artikulieren, was ihnen wo wehtut.
Ein gutes Hilfsmittel zur Einordnung von Schmerzen sind die «Smileys», Bild-Symbole, die auch international in Spitälern verwendet werden. Anhand der Mimik der «Smileys» kann das Kind seinen Zustand beschreiben. Unser Ziel ist, den Kindern einen möglichst angstfreien Spitalaufenthalt zu ermöglichen.
Autorin: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau
Quelle: Gesundheit Aargau
Letztes Update: 07.09.11, 08:42 Uhr





