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Was tun, wenn der Mundwinkel hängt?
Herzinfarkt/Hirnschlag: Warum rasches Handeln so wichtig ist und die Rehabilitation bereits in der Akutklinik beginnen sollte – am Beispiel des Kantonspitals Baden (KSB) erklärt
Morgens um zwei Uhr piepst das Mobiltelefon von Urs Hufschmid. Der Kardiologe hat Bereitschaftsdienst im Kantonsspital Baden. Die Meldung stammt von einem Ambulanz- Fahrzeug, das sich mit einem Patienten auf dem Weg ins Spital befindet. Verdacht: akuter Herzinfarkt. Die Rettungssanitäter haben bereits im Fahrzeug ein Elektrokardiogramm (EKG) angefertigt – und schicken dieses per Mail an den Kardiologen. Urs Hufschmid studiert die Werte, bespricht die ersten therapeutischen Massnahmen mit der Rettungscrew und entscheidet, ob der Patient direkt in ein Herzkatheter-Zentrum überführt werden muss.
«Sparmodus nur für gewisse Zeit»
«Time ist muscle» oder «Time ist brain»: Bei einem Herz- wie auch einem Hirnschlag spielt die Zeit eine ganz entscheidende Rolle. «Bei verdächtigen Anzeichen – etwa plötzlichen Lähmungen, Stechen in der Brust, Sprechstörungen – sollte man sich umgehend ins nächste Zentrumsspital begeben», sagt Jürg H. Beer, Chefarzt Innere Medizin am KSB. Denn: Je länger die Durchblutung von Herz oder Hirn beeinträchtigt ist, desto schwerwiegender sind die Auswirkungen. «Zwar können Hirnzellen auch eine gewisse Zeit im Sparmodus überleben, doch irgendwann ist dann Ende», sagt Neurologe Peter Sandor. Was gleichermassen auch auf das Herz zutrifft.
Ruedi Graser (Name geändert) etwa kann eines Abends plötzlich nicht mehr gut schlucken, und sein linker Mundwinkel hängt runter. Als er auch noch Doppelbilder sieht, fährt ihn seine Frau direkt ins Kantonsspital Baden. Ihre Befürchtung: Hirnschlag. Es folgen verschiedene neurologische Abklärungen, Blutentnahme, Computertomographie. Das so geortete Blutgerinnsel im Hirn wird mittels Medikamenten (Lysetherapie) entfernt und Ruedi Graser wird in die Überwachungsstation, später in die akutnahe Neurorehabilitation gebracht.
«Im Zentrumsspital arbeiten die Fachärzte aus den verschiedenen Gebieten Hand in Hand und garantieren Schlaganfall-Patienten so eine lückenlose Versorgung», sagt Jürg H. Beer. Im Fall von Ruedi Graser bedeutet das, dass er nicht nur von Hirn- Spezialist Peter Sandor betreut wird, sondern dass auch Kardiologe Urs Hufschmid ein Auge auf ihn hat, «da viele Hirnschlag-Patienten auch herzschlaggefährdet sind», wie Hufschmid erklärt. Für die nach einem Hirnschlag häufigen Schluckstörungen sind Gastroenterologen und Logopädinnen vor Ort, und Spezialisten der inneren Medizin kümmern sich um allfällige Infekte – etwa eine wegen der Schluckstörung häufig auftretende Lungenentzündung.
«Die rehabilitative und aktivierende Pflege neurologischer Patienten erfordert eine sehr hohe Pflegekompetenz », betont Peter Sandor. Denn: Je schneller nach einem akuten Hirnschlag verloren gegangene Fähigkeiten wieder trainiert werden, desto grösser ist die Chance, ohne bleibende Behinderung weiterleben zu können. Sandor: «Aus diesem Grund ist der nahtlose und rasche Übergang zwischen Akutklinik und Rehabilitation enorm wichtig.»
Quelle: Gesundheit Aargau
Letztes Update: 06.04.11, 08:54 Uhr





