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Von der Biopsie zum sicheren Befund

«Goldmedaille»: Die Pathologie des Kantonsspitals Baden unter der Leitung von Professor Gad Singer erhält nach langer Teamarbeit als viertes Institut der Schweiz die Akkreditierung der SAS

Wer die Pathologie im Kantonsspital Baden betreten möchte, wird am zutrittsgesicherten Eingang per Kamerasteuerung von den Mitarbeitern eingelassen und muss sich in einer Besucherliste eintragen. Das ist neu. Neu sind auch die riesigen orangefarbenen Sicherheitsschränke mit integrierter Belüftung, in denen Chemikalien – etwa Formaldehyd oder Färbelösungen – gelagert sind. Und neu setzen die 23 ärztlichen und nichtärztlichen Mitarbeiter der Pathologie hinter jeden Arbeitsschritt ihr Namenskürzel. «Das war zu Beginn etwas ungewohnt, funktioniert mittlerweile aber bereits automatisch», erklärt Cheflaborantin Helga Klöck.

Weshalb diese Neuerungen? Seit Anfang November ist die Pathologie des Kantonsspitals Baden von der SAS (Schweizerische Akkreditierungsstelle des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco) akkreditiert. Chefarzt Gad Singer erklärt: «Ist ein Pathologie- Institut akkreditiert, dann ist es im Besitz des höchsten Qualitäts- Ordens, sozusagen der eidgenössischen Goldmedaille.» Die Pathologie des KSB ist erst das vierte Institut der Schweiz, das diese Akkreditierung erhalten hat.

Was bringt die Akkreditierung?

Die Vorarbeiten dazu waren immens. Während der letzten drei Jahre wurden sämtliche Arbeitsprozesse durch Singer, Qualitätsmanager Uwe Rogel und die Bereichsleiter Kaufmann, Klöck und Stadlmann analysiert und optimiert und sodann Hunderte Verfahrens- und Arbeitsanweisungen zusammen mit allen Mitarbeitern erstellt. Unnötiger administrativer Bürokram? Von wegen. «Die Qualität der Arbeitsabläufe ist nicht zuletzt für die Patientensicherheit von grösster Bedeutung. Optimierte Prozesse erlauben es nämlich, dass winzige, nur wenige Millimeter grosse Biopsien ausreichen, um eine sichere Diagnose stellen zu können», erklärt Gad Singer.

Dank der Kennzeichnungs-Pflicht sei rückverfolgbar, wer wann an welcher Biopsie gearbeitet hat. «Zudem wird durch die verbesserten Arbeitsabläufe auch erreicht, dass nur in Ausnahmefällen Gewebeuntersuchungen und damit belastende Eingriffe wiederholt werden müssen.»

Die Zahlen sind eindrücklich: Bei jedem dritten Patienten des KSB ist die Pathologie involviert. Über 28 000 Proben werden jährlich untersucht. Die Gewebe- und Zellproben werden im Histologie-, Zytologieund Molekular-Labor aufbereitet. Für die Schnellschnitte gelangen die Biopsien via Rohrpost direkt aus dem OP-Saal in die Pathologie, in den übrigen Fällen via Post oder Kurier.

«Viele Leute haben vom Beruf des Pathologen ein falsches Bild», weiss Gad Singer. «Wir sind wichtige Mitglieder der interdisziplinären Teams des KSB und liefern häufig die entscheidenden Untersuchungsbefunde für die Therapie.» So wird nahezu jede definitive Krebsdiagnose von einem Facharzt für Pathologie gestellt.

 

Patientenbeispiel 1

Clara M., 46, sucht wegen eines tastbaren Knotens in der Brust das Brustzentrum des KSB auf. Die entnommene Biopsie zeigt einen bösartigen Tumor. Für Clara M. wird ein Operationstermin vereinbart. Während sie in der Narkose liegt, untersucht der Pathologe mittels Schnellschnittverfahren das entfernte Gewebe und stellt fest, ob der Tumor vollständig herausgeschnitten wurde und ob bereits Lymphknotenmetastasen vorliegen. Die Kombination aus modernster Technik und Fachwissen macht es möglich, dass der Pathologe das Resultat innert weniger als 20 Minuten via Gegensprechanlage in den OP-Saal geben kann.

Patientenbeispiel 2

Hans W., 52, entdeckt Blut im Stuhl und vereinbart einen Termin beim Hausarzt. Dieser überweist ihn ins Darmzentrum des KSB. Die Biopsie ergibt einen bösartigen Tumor. Hans W. wird operiert. Der Pathologe kann nun postoperativ das definitive Tumorstadium am Operationspräparat festlegen. «Das ist deswegen so wichtig, weil gewisse Tumorstadien nach einer Weiterbehandlung mittels Chemo- oder Antikörpertherapie verlangen », so Gad Singer. Dank dem neuen Gebiet der Molekularpathologie kann der Arzt dem Krebs quasi «in die Erbsubstanz» schauen – und eine Vorhersage machen, ob der Tumor auf diese Therapie ansprechen wird. Molekularpathologie ist das Fachgebiet von Chefarzt Gad Singer und wird im KSB intensiv gepflegt.

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 21.12.11, 10:29 Uhr