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Vom «Pfnüsel» bis zum Zungenkrebs

HNO-Klinik: Professor Frank Metternich ist seit einem halben Jahr neuer Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie im Kantonsspital Aarau

Der sechsjährige Jonas* (Name geändert) hat starkes Nasenbluten, das einfach nicht mehr aufhören will. Gabriela*, 42jährig und Mutter zweier Kinder, hört auf dem linken Ohr plötzlich praktisch nichts mehr – und Peter*, 58 Jahre alt, ist beim Verspeisen des Brathähnchens ein Stück Knochen in die Speiseröhre gelangt und dort stecken geblieben.

365 Tage im Jahr geöffnet

So unterschiedlich die Probleme der drei Personen sind: Sie alle rücken als Notfälle in die Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Kantonsspitals Aarau ein. Möglich ist das rund um die Uhr; an 365 Tagen im Jahr. «Zudem überweisen Hausärzte, Internisten und HNO-Fachärzte Patienten in die Klinik, bei denen bisher keine Therapie angeschlagen hat oder deren Erkrankung bereits einen chronischen Verlauf nimmt», erklärt Professor Frank Metternich, seit März 2011 neuer Chefarzt der HNO-Klinik.

Dabei handelt es sich, wohlgemerkt, nicht etwa bloss um einen lästigen «Pfnüsel». Professor Metternich und sein Team sind Spezialisten auf dem Gebiet der Gesichts- und Hals-Chirurgie und arbeiten eng mit der Neurochirurgischen und der Kieferchirurgischen Klinik sowie der Augenklinik des KSA zusammen. «Interdisziplinarität» heisst das Wort, das dem Patienten die Gewissheit verspricht, an einem Ort individuell von Spezialisten-Teams verschiedener Fachrichtungen behandelt zu werden. So werden etwa Hypophysentumore zusammen von Neuro- und HNO-Chirurgen operiert.

Heiser wegen Kehlkopftumor?

Weitere Beispiele aus dem Klinik-Alltag? «Jede Heiserkeit, die trotz Therapie länger als 14 Tage andauert, sollte fachärztlich untersucht werden. Sie könnte zum Beispiel durch einen bösartigen Kehlkopftumor begründet sein, der für eine erfolgreiche Behandlung frühzeitig erkannt werden muss», sagt Frank Metternich. Insbesondere Raucher seien davon betroffen. «Tumorerkrankungen nehmen generell zu; nicht zuletzt, weil die Menschen immer älter und heute die Folgen eines langjährigen Zigaretten- und Alkoholkonsums offensichtlich werden», so Metternich. Er behandelt Kehlkopf-, Zungen-, Speicheldrüsen- und auch Schilddrüsenkarzinome in enger Zusammenarbeit mit Onkologen und Strahlentherapeuten. Dabei profitiert der Patient von den Neuerungen der Wissenschaft, etwa der verbesserten Früherkennung von Kehlkopfkrebs oder dem Einsatz eines speziellen Ultraschall-Skalpells (siehe Artikel unten).

Neben Tumorerkrankungen gehört auch die chronische Nasennebenhöhlenentzündung zum Klinik-Alltag. «Diese ist häufig anatomisch bedingt, etwa durch eine schiefe Nasenscheidewand, oder aber wird durch Pollenallergien unterstützt, die die Schleimhäute reizen und zu Polypen-Bildung führen.»

Operieren via Nase oder Mund

Was tun? «In erster Linie versuchen wir zuerst eine konservative Behandlung – in diesem Fall medikamentös–, bevor wir als letzte Lösung eine operative Therapie durchführen», betont Metternich. Operiert wird heute endoskopisch, das heisst minimal-invasiv über die natürlichen Körperöffnungen wie Nase / Mund.

Professor Metternich, der zuvor unter anderem während 13 Jahren am Universitätsspital Hamburg-Eppendorf tätig war, hat viele Entwicklungen in seinem Fachgebiet miterlebt: «Vor 30 Jahren redete noch niemand von Schlafapnoe, und auch der Tinnitus hat erst im letzten Jahrzehnt stark zugenommen; ebenso wie allergischen Erkrankungen.» Deutlich seltener sei dafür heute bei Kindern – dank guter Vorsorge bereits im Vorschulalter – die chronische Entzündung des Mittelohrs mit einer Zerstörung des Knochens zu diagnostizieren.

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 15.11.11, 10:46 Uhr