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Viel Arbeit für den «ArbeitsCoach»
Psychisch krank und trotzdem einen Job: Das Projekt des Vereins Anker und der Psychiatrischen Dienste Aargau hat ein erfolgreiches erstes Jahr hinter sich
Herr Dubs, Sie unterstützen psychisch kranke Menschen in ihrem Arbeitsalltag. Kein einfaches Unterfangen in der heutigen Zeit.
Bernhard Dubs: Ja, umso mehr erstaunt es auch mich immer wieder, wie gross das Wohlwollen der Arbeitgeber ist. Wenn man diese rechtzeitig über die
persönlichen Umstände eines betroffenen Angestellten informiert und klar kommuniziert, was vom Mitarbeiter erwartet werden kann und was nicht, sind die Verantwortlichen in acht von zehn Fällen bereit, eine psychisch beeinträchtigte Person weiterhin zu beschäftigen. Das heisst: Man muss aufklären, dass es
nicht fehlender Wille ist, wenn die Arbeitsleistung plötzlich nachlässt.
Sie sind in Ihrer Funktion als «ArbeitsCoach» also in erster Linie als Vermittlertätig?
Dubs: Oberstes Ziel meiner Arbeit ist, zu verhindern, dass die Klienten ihren Arbeitsplatz im normalen Arbeitsmarkt verlieren. Denn: Haben sie erst einmal die Kündigung erhalten, gestaltet sich der Wiedereinstieg als sehr schwierig.
«First place, than train», so die Grundlage des Projekts. Was heisst das genau?
Dubs: Bisher hat man psychisch Kranke meist via geschützte Arbeitplätze wieder im Arbeitsmarkt integriert - wenn überhaupt. Doch: Für geschützte Werkstätten sind psychisch Kranke oft zu gesund, im
normalen Arbeitsmarkt jedoch - ohne begleitende Massnahmen - überfordert. Hier setzt das Projekt «ArbeitsCoach» an: Coaching bedeutet, Unklarheiten und Unsicherheiten anzusprechen, um das
Arbeitsverhältnis zu erhalten und für alle Beteiligten eine gute Situation am Arbeitsplatz zu schaffen. Zudem bin ich Ansprechpartner bei Fragen und Problemen, sowohl für Arbeitnehmer und Arbeitgeber als auch für Angehörige, Ärzte und Versicherungen.
Das Projekt wurde vor einem Jahr gestartet; seither erhielten Sie rund 200 Anfragen - eine hohe Zahl. Spielte da auch die Wirtschaftskrise mit?
Dubs: Nein, psychische Erkrankungen kommen immer etwa gleich häufig vor. Es ist aber durchaus denkbar, dass in nächster Zeit vermehrt Personen mit Burnouts an mich gelangen. Überraschen würde es mich nicht.
Apropos: Wie kommen Sie überhaupt zu Ihren Klienten?
Dubs: Die meisten Zuweisungen erfolgten bisher durch den Externen Psychiatrischen Dienst der PDAG; was den grossen Vorteil hat, dass ich bereits in einem
sehr frühen Zeitpunkt involviert werde. Frühes Beraten und Begleiten ist entscheidend für die Arbeitsplatzerhaltung. Gegen Ende 2008 kamen erfreulicherweise die ersten direkten Anfragen von Invaliden- und Krankentaggeldversicherung.
. . . die ja aus Kostengründen daran interessiert sind, dass Betroffene zumindest teilweise erwerbstätig bleiben.
Dubs: Natürlich, denn wenn jemand nur eine halbe oder gar keine IV-Rente beziehen muss, lassen sich Kosten sparen. Die Massnahmen der 5. IVG-Revision haben vor allem die Zielgruppe der psychisch kranken Menschen im Fokus und zielen mit ihren Ideen in die gleiche Richtung wie das Projekt «ArbeitsCoach». Die Zusammenarbeit mit der IV-Stelle Aargau klappt bereits sehr gut; von dort wurden mir bisher zehn Klienten überwiesen.
Und was ist die grösste Schwierigkeit bei Ihrer Arbeit?
Dubs: Ganz klar die Eigendynamik von psychischen Erkrankungen. Diese verlaufen nun mal nicht linear. Erleidet ein Klient einen Rückfall, sind meine Möglichkeiten als «ArbeitsCoach» trotz allen Bemühungen irgendwann ausgeschöpft. Ein Teufelskreis: Erhält der Betroffene die Kündigung, gerät er natürlich noch tiefer in die Krise.
Kann man vorbeugen?
Dubs: Ja, die Betriebe könnten in Sachen Gesundheitsmanagement und Prävention noch einiges mehr tun. Wichtig ist ein aktives Aufeinander-Zugehen bei häufigen, krankheitsbedingten Absenzen. Mobbing und häufige Chef-Wechsel sind vielfach Auslöser für psychische Probleme.
Zur Person: Bernhard Dubs ist Psychiatrie-
Pflegefachmann mit Ausbildung in Eingliederungsmanagement.
Internetseite:
www.arbeitscoach.ch
Quelle: Gesundheit Aargau
Letztes Update: 22.10.09, 10:44 Uhr





