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«Querdenken und mutig sein ist wichtig»

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Quelle: Gesundheit Aargau

Seit gut einem Jahr ist Helen Weber (34) Leiterin Bereich Pflege und MTTD sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Kantonsspital Aarau AG. Porträt einer ehrgeizigen jungen Frau zum Tag der Pflege am Freitag, 12. Mai

Als eine der jüngsten Pflegedirektorinnen der Schweiz wurde Helen Weber mit 32 Jahren per 1. März 2016 in die Pflegedirektion des KSA gewählt. «Ich habe nicht ohne Bauchweh angefangen», erinnert sich die schlanke, hochgewachsene Frau. «Wenn man jung ist, muss man sich oft mehr beweisen, damit man akzeptiert wird», meint sie. Diese Akzeptanz hat sich die Winterthurerin über die Monate erarbeitet. Mit Fachkompetenz, Empathie, Engagement und ihrer Gabe, auf diplomatische Art und Weise Themen anzusprechen und voranzubringen.
Weber ist neben vielem anderem verantwortlich für die Pflegeausbildung, die Entwicklung und die Qualität der Pflege im KSA. Ihre Aufgabe sei es, Brücken zu schlagen zwischen der Pflege und den Ärzten und die Rahmenbedingungen und Strukturen so zu gestalten, damit die Pflege ihre Kernaufgabe am Patienten wahrnehmen kann, erläutert Weber. «Immer mit Fokus auf das Gesamtunternehmen.» Selber hat Weber die Ausbildung zur Pflegefachfrau HF 2005 in Winterthur abgeschlossen. «Ich wusste schon damals, dass ich danach im Unispital Zürich (USZ) arbeiten will. Die Pflege von komplexen Patienten, die Spitalgrösse und die Spitzenmedizin haben mich bereits während der Ausbildung fasziniert. Dank der Forschung ist man am Puls neuester Erkenntnisse», erzählt sie. Sie lasse sich vor Herausforderungen nicht abschrecken, im Gegenteil, betont die junge Frau: «Geht nicht, gibts nicht.»
Aufgewachsen ist die Pflegedirektorin auf dem Land in der Nähe von Winterthur. «Wir waren vier Erstklässler, ich hatte viele Freiräume und Freiheiten», erinnert sie sich. Vielleicht hat diese Unbeschwertheit zur Entwicklung des gesunden Selbstbewusstseins beigetragen, das Helen Weber ausstrahlt. «Ich bin sehr klar und zielgerichtet, und ich weiss, was ich will», sagt sie.
Mehr als zehn Jahre lang war Weber am USZ in unterschiedlichen Funktionen tätig, zuletzt als Prozess- und Juniormanagerin im Medizinbereich Herz-Gefäss-Thorax. Seit 2015 verfügt sie über einen «Master of Advanced Studies in Management of Healthcare Institutions», hat davor aber schon Führungsweiterbildungen besucht. Nach bestandenem Abschluss sei es Zeit für einen Wechsel gewesen, so Weber. «Ich wollte ein neues Unternehmen kennen
lernen.» Das KSA als grösstes Spital im Kanton Aargau sei ein interessanter Arbeitgeber. Sie habe indes nicht wirklich damit gerechnet, den Job zu bekommen. «Ich dachte, ich sei zu jung und zu unerfahren dafür.» Doch Weber verfügt trotz ihres jungen Alters über breite Erfahrung und qualifizierte Fachkompetenz, was dazu beigetragen haben dürfte, dass sie gewählt wurde. «Ich kann mich in einem anspruchsvollen Setting mit komplexen Strukturen bewegen. In die Führung bin ich mehr per Zufall gerutscht. Dabei habe ich gemerkt, dass mir Managementaufgaben liegen», sagt sie. «Situationen analysieren, Lösungen entwickeln, Strukturen schaffen und Mitarbeitende führen, mit einer Gruppe Ziele erreichen, darin bin ich gut.»
Heute ist Weber Chefin von 2800 Mitarbeitenden in medizintechnisch, therapeutischen Diensten und der Pflege, der mit Abstand grössten Berufsgruppe in einem Spital. Und einer der wichtigsten, ist Weber überzeugt. So könne man zum Beispiel durch Früherkennung von Wundheilstörungen den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Erkennen und Vorbeugen von Komplikationen sei eine der zentralen Aufgaben der Pflege. «Um dies zu erreichen, muss die interprofessionelle Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit sein. Die Pflege hat dabei eine Schlüsselrolle.» Zudem wolle sie Beratung und Anleitung der Patienten durch die Pflege fördern und stärken.
Der Bezug zur Basis sei ihr enorm wichtig, betont Weber. «Ich will für meine Mitarbeitenden spürbar sein und ihre Bedürfnisse wahrnehmen.» Um den Puls zu fühlen, besucht sie mehrmals pro Jahr alle Stationen. Zudem organisiert sie monatlich eine Austauschplattform für alle Mitarbeitenden der Pflege und MTTD ohne Führungsposition. «Ich möchte Rahmen und Strukturen schaffen, in denen sich die Mitarbeitenden gut entfalten und innovativ sein können. Deshalb bin ich offen für ihre Anliegen und möchte ihnen die entsprechende Wertschätzung entgegenbringen», sagt Weber und betont: «Querdenken ist wichtig. Man muss auch mal etwas wagen, Herausforderungen annehmen und neue Ansätze verfolgen. Und nicht gleich aufgeben, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.» Heute sei es sehr schwierig, Führungsnachwuchs zu finden. Weber ist deshalb bestrebt, Mitarbeitende für die Führung zu begeistern und sie zu befähigen Entscheide zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Ebenso setze sie sich für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden ein, von deren Wissen und Können die Patienten profitieren. «Die Pflege ist ein attraktiver Beruf mit viel Potenzial», betont Weber (siehe Artikel unten).
«Im Zentrum der Arbeit ist der Pflegeprozess», fährt die Pflegedirektorin fort. «Meine Mitarbeitenden brauchen grosses Fachwissen, vernetztes Denken und feine Antennen, um zu erkennen, was die Patienten benötigen. So können sie beeinflussen, wie rasch ein Patient wieder nach Hause kann.» Zudem sei eine gute Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen zentral für den Erfolg eines Spitals, betont sie.
Obwohl der Bereich Pflege am KSA gut aufgestellt ist, gibt es für Helen
Weber noch viel zu tun. Der Job ist mitunter stressig. Als Ausgleich treibt sie wenn immer möglich Sport, früher am liebsten Volleyball, Tanzen, Reiten und Snowboardfahren, wie sie sagt. Doch dazu fehle ihr heute die Zeit. «Ich kann gut abschalten. Aber ich wäre schon froh, wenn ich wieder mehr Sport treiben könnte.»

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 10.05.17, 10:19 Uhr