ANZEIGE

Ups, the viewlet "contentCountCommand" has no template!

Please check the configuration!

Psychiatrie-Notfall stellt Weichen richtig

PDAG Dank der neu geschaffenen Triage-Stelle werden unnötige Klinik-Eintritte verhindert. Urs Hepp, Chefarzt des Externen Psychiatrischen Dienstes, spricht von einem «Erfolgsprojekt»

Astrid Meister* (Name geändert), 58 Jahre alt, hat vor zwei Jahren ihren Job verloren und steckt in einer schweren Depression. Jeder Tag ist ein Krampf; selbst für alltägliche Handlungen wie Einkaufen und Kochen kann sich die Mutter zweier erwachsener Kinder kaum aufraffen. Auch Peter Nüsch* steht an einem schwierigen Punkt im Leben. Er und seine Frau haben sich getrennt, und seither trägt sich der 38-Jährige mit Suizid-Gedanken. Und Bernhard Steiner*, 23, macht sich und seinen Eltern Sorgen, weil er ständig Stimmen hört, die ihm etwas zuflüstern.

Drei klassische Fälle für eine Einweisung in die psychiatrische Klinik? «Ja, früher wären diese Personen von ihren Hausärzten direkt eingewiesen worden», sagt Urs Hepp, Chefarzt des Externen Psychiatrischen Dienstes der PDAG. Und heute? «Heute wissen wir, dass ein stationärer Aufenthalt längst nicht in allen Fällen notwendig ist», so Hepp. Dies habe auch eine Umfrage unter Oberärzten der PDAG bestätigt. Das erstaunliche Ergebnis: «Rund ein Viertel der eingewiesenen Patienten wäre mit einer Therapie in einer Tagesklinik genauso gut bedient und würde damit nicht aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen.»

Triage soll Weichen richtig stellen

Aus diesem Grund hat die PDAG im Juni 2010 eine spezielle Triage- Stelle ins Leben gerufen. Deren Zweck: «Die Weichen für jeden Patienten von Beginn an richtig zu stellen und unnötige Klinikeintritte zu verhindern», so Hepp. Konkret: Astrid Meister, Peter Nüsch und Bernhard Steiner werden auf der Triage von erfahrenen Kaderärzten untersucht. Gemeinsam wird dann die individuell passende Lösung ermittelt. Urs Hepp verdeutlicht dies mit einem Beispiel aus dem somatischen Bereich: «Leidet jemand an akuten Bauchschmerzen, wird er vom Hausarzt auch ins Spital geschickt. Dort entscheidet der Chirurg, ob eine Operation sofort nötig ist, ob man zuwarten kann oder ob es noch alternative Behandlungsmöglichkeiten gibt.»

«Autonomie bleibt gewährleistet»

Astrid Meister etwa hat dank der Tagesklinik hilfreiche Struktur im Alltag erhalten: Sie kann morgens das Haus verlassen und am Abend zurückkehren und im eigenen Bett übernachten. «Damit bleibt doch ein grosses Mass an Autonomie gewährleistet. Das war ihr wichtig», so Urs Hepp. Selbst suizidgefährdete Patienten müssten nicht zwingend rund um die Uhr überwacht werden, sofern sie über ein intaktes soziales Umfeld verfügen. Da Peter Nüsch einen engen Kontakt zu seinem Bruder pflegt, konnte auch für ihn eine Lösung ausserhalb der Klinik gefunden werden. «Die Triage-Stelle dient aber auch als Überbrückung – etwa, wenn in der gesuchten Schwerpunktstation noch kein Bett frei ist», erklärt Urs Hepp. So geschehen bei Bernhard Steiner: Für ihn kristallisierte sich ein stationärer Aufenthalt auf der Schizophrenie-Schwerpunktstation als beste Lösung heraus. Zwei Tage musste er auf einen freien Platz warten – und wurde in dieser Zeit auf der Triage-Stelle therapeutisch behandelt.

Urs Hepps Fazit nach einem Jahr: «Die Triage hat sich mehr als bewährt. Die Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und den stationären Bereichen klappt sehr gut, und auch die Hausärzte nutzen diesen Service. Wir konnten 15 Prozent der stationär zugewiesenen Patienten ambulant oder teilstationär behandeln, ohne bei der Qualität der Behandlung Einbussen verzeichnen zu müssen.» Finanziell sei das Projekt allerdings nicht gesichert – und noch handle es sich um eine «Triage light», da diese aktuell nur werktags von 8 bis 17 Uhr besetzt ist. Urs Hepp: «Ziel wäre, den ersten 24-Stunden-Psychiatrie- Notfall im Aargau zu betreiben.»

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 12.10.11, 08:16 Uhr