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«Kinder sind keine kleinen Erwachsensen»
Valérie Oesch, neue Chefärztin der Kinderchirurgie der Kantonsspitäler Aarau und Baden, will das Angebot für die jüngsten Patienten in naher Zukunft ausbauen und optimieren
Lea, 6 Jahre alt, ist auf dem Spielplatz von der Schaukel gefallen und hat sich eine Unterarm-Fraktur zugezogen. Die Frage ihrer Eltern, ob sie nun eine Platte zur Stabilisation implantiert bekomme, verneint Kinderchirurgin Valérie Oesch: «Knochenbrüche zeigen bei Kindern einen ganz anderen Heilungsverlauf als bei Erwachsenen. Bei Fehlstellungen bis 30 Grad braucht es je nach Alter des Kindes nicht einmal einen operativen Eingriff. Häufig reicht es aus, die betroffene Körperpartie ruhigzustellen.»
Simon ist mit einem Leistenbruch zur Welt gekommen. Etwas, das in der Kinderklinik alltäglich ist: «Pro Woche operieren wir zwei bis drei Leistenbrüche bei Säuglingen», erklärt Valérie Oesch. Im Gegensatz zu den erwachsenen Patienten kommt bei Kindern aber kein Netz zum Einsatz – «wir entfernen den Bruchsack und verschliessen die Öffnung. Narben verwachsen sich bei Kleinkindern schnell.»
«Andere Krankheitsbilder»
Diese beiden Beispiele machen deutlich, was Valérie Oesch in einem einfachen Satz zusammenfasst: «Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. » Der Stoffwechsel funktioniere anders, durch das Wachstum verändere sich die Anatomie – und auch die Krankheitsbilder können nicht mit denen Erwachsener verglichen werden. «Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kinder immer von Kinder- Spezialisten behandelt werden.»
Noch ist das in den Kantonsspitälern Aarau und Baden nicht immer der Fall. Da die Kinderchirurgie zurzeit nur aus einem sehr kleinen Team besteht, übernehmen die Erwachsenen- Chirurgen die operative Versorgung von einem Teil der Notfälle. «Auch Notfalloperationen wie etwa Blinddarmentzündungen oder Verbrennungen können nur teilweise von Kinderchirurgen abgedeckt werden», sagt Valérie Oesch.
Das soll sich in naher Zukunft ändern. Die neue Chefärztin der Kinderchirurgie plant einen schrittweisen Ausbau und eine Optimierung des Angebots. «Unser Ziel ist, dass Neugeborene und Kinder bis 16 Jahre rund um die Uhr von Kinder-Spezialisten chirurgisch versorgt werden können.» Ab Oktober dieses Jahres soll das Team mit einem leitenden Arzt für Kinderchirurgie und einem zweiten Assistenzarzt ergänzt werden.
Mit den Eltern ein Team
Neben der eigentlichen medizinischen Versorgung des jungen Patienten stellt die Betreuung der Eltern einen wichtigen Punkt dar. «Als Kinderchirurgin muss ich das Kind behandeln, aber auch die Eltern in ihren Entscheidungen unterstützen und während der schwierigen Zeit des Spitalaufenthaltes begleiten. Die Eltern und ich bilden ein Team, das möglichst optimal zusammenarbeiten soll», so Valérie Oesch. Dies ist umso wichtiger in komplexen medizinischen Fällen, zum Beispiel, wenn das Kind mit einem offenen Rücken zur Welt kommt.
Quelle: Gesundheit Aargau
Letztes Update: 11.05.11, 08:43 Uhr





