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Hochspezialisierte Medizin im Kantonsspital Aarau

Das Kantonsspital Aarau (KSA) gehört in mehreren Bereichen der hochspezialisierten Medizin (HSM) in der Schweiz künftig zu den beauftragten Leistungszentren.

Mitte September hat das Aargauer Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) die mit Spannung erwartete kantonale Spitalliste vorgestellt. Nur die auf dieser Liste aufgeführten Kliniken können künftig stationäre Behandlungen und Aufenthalte zulasten der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnen. Das KSA gehört erwartungsgemäss mit zu den prominenten Vertretern auf dieser Liste. Die neue Spitalliste ist Folge der zweiten Revision des Krankenversicherungesetzes (KVG), die ab 1. Januar 2012 eine neue Spitalfinanzierung vorsieht.

Gesamtschweizerische Planung der HSM

Von grosser Bedeutung für das KSA ist jedoch ebenso eine weitere Bestimmung der zweiten KVGRevision, die für den Bereich der hochspezialisierten Medizin eine gesamtschweizerische Planung verlangt. Ziel dabei ist es, die hochspezialisierten, komplexen und kostenintensiven Behandlungen von seltenen Krankheiten auf wenige regionale Leistungszentren zu konzentrieren, welche über die entsprechende medizinische Infrastruktur, ausreichend Spezialisten sowie ein nachweisbares Minimum an Fallzahlen verfügen. Die für das KSA relevanten Bereiche in der hochspezialisierten Medizin, welche die genannten Kriterien und Auflagen erfüllen, sind dies die neurochirurgische Behandlung von vaskulären Erkrankungen und Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS), die hochspezialisierte Behandlung von Hirnschlägen, die Behandlung von Schwerverletzten sowie die Behandlung von extrem Frühgeborenen.

KSA erhält Zuschlag für vier Bereiche der HSM

Das von der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz eingesetzte Beschlussorgan, welches die Umsetzung der Interkantonalen Vereinbarung über die Hochspezialisierte Medizin (IVHSM) leitet, hat das KSA für diese vier Bereiche auf die überkantonale Liste der ausgewählten regionalen Leistungszentren gesetzt. Ein möglicher Zuteilungsentscheid für einen fünften Bereich, der grosse, seltene Eingriffe der Viszeralchirurgie umfasst, steht noch aus. „Mit diesen Leistungszuteilungen erhält das Kantonsspital Aarau als grosses Zentrumsspital mit starker interdisziplinärer Ausrichtung eine hohe Anerkennung für seine medizinische Kompetenz“, kommentiert Hans Leuenberger, CEO der KSA AG, die Entscheide des Beschlussorgans. 

Hochspezialisierte Medizin für die kleinsten Patienten

Auch Prof. Dr. Henrik Köhler, Chefarzt der Kinderklinik am KSA, freut sich über den Zuteilungsentscheid für seinen Bereich: „ Mit der offiziellen Zuteilung der Funktion eines Perinatalzentrums im Rahmen der HSM sind die Weichen dafür gestellt worden, dass wir im Kanton Aarau künftig auch für die jüngsten und kleinsten Patienten die beste Medizin sicherstellen können“. Am Perinatalzentrum arbeiten die hochspezialisierte Geburtshilfe und die Neugeborenenmedizin eng zusammen. Der Aufgabenbereich der Neugeborenenmedizin umfasst die Versorgung und Behandlung kleiner und extrem kleiner Frühgeborener, oft nur wenige Hundert Gramm schwer und bis zu vier Monate zu früh geboren. Zudem werden Neugeborene mit Atemnot, Infektionen oder anderen schweren Erkrankungen, die zum Teil schon im Mutterleib diagnostiziert wurden, behandelt. Darüber hinaus werden am Perinatalzentrum im KSA Säuglinge mit angeborenen Fehlbildungen vor und nach der Operation durch die Kinderchirurgie intensivmedizinisch betreut.

Spezialteam und Schockraum für Schwerverletzte

Die Behandlung von erwachsenen Patienten mit gleichzeitig mehreren unterschiedlichen und lebensbedrohenden Verletzungen, z. B. nach einem Verkehrsunfall oder bei Sturz aus grosser Höhe, erfordert eine hohe Konzentration von Spezialisten und medizinischer Infrastruktur. Das KSA gehört künftig zu den wenigen Spitälern in der Schweiz, die für die Abklärung und Behandlung solcher komplexen Fälle in Frage kommt. „Die Zentralisierung polytraumatisierter Patienten wird zu einer Zunahme solcher Patienten im KSA führen“, ist Dr. Nikolaus Renner, Chefarzt Abteilung Traumatologie am KSA, überzeugt und ergänzt mit Blick in die Zukunft: „Die Zunahme der Fallzahlen wird zu einer besseren Auslastung der teuren Vorhalteleistungen führen und gleichzeitig die Kompetenz des interdisziplinären Behandlungsteams stärken.“ Am KSA ist ein so genanntes Polytrauma-Team, bestehend aus sechs Personen aus der Chirurgie, der Anästhesie und der Radiologie, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für den Notfall abrufbereit. Für die effiziente und simultan erfolgende Diagnostik und sofortige Behandlung steht eine hochwertige Infrastruktur bereit, u.a. ein so genannter Schockraum mit den notwendigen Einrichtungen zur Beatmung, Überwachung der lebenswichtigen Funktionen, Röntgenabklärung sowie für chirurgische Notfalleingriffe.

Hightech in der HSM-Neurochirurgie

Auch die Behandlung von Hirnaneurysmen, das Stoppen von Hirnblutungen, die Abklärung und Behandlung von Tumoren des Hirnnervensystems und von sämtlichen komplexen Hirnverletzungen werden aufgrund des interkantonalen Zuteilungsentscheides künftig weiterhin am KSA angeboten werden können. „Die Entscheidung des IVHSM bestätigt das langjährige Angebot des KSA und stellt eine qualitative hochstehende Behandlung aller komplexen Erkrankungen des Hirnnervensystems und schweren Schädelverletzungen für alle Aargauerinnen und Aargauer sicher“, erläutert Prof. Dr. Javier Fandino, Leitender Arzt Neurochirurgie am KSA, die Bedeutung des HSM-Beschlusses zugunsten des Leistungszentrums am KSA. Für die Gewährleistung des hohen Standards in diesem Bereich der Spitzenmedizin sorgt neben den vorhandenen personellen fachmedizinischen Ressourcen modernstes technisches Gerät. Mit dem seit Anfang dieses Jahres im KSA vorhandenen Hybridoperationssaal wird beispielsweise als erstes Zentrum in der Schweiz in Aarau die kombinierte Behandlung komplexer Gefässerkrankungen mittels kombinierter endovaskulärer und mikrotechnischer Techniken ermöglicht.

Kompetenzzentrum für die Behandlung von Hirnschlägen

Die hochspezialisierte Behandlung von Hirnschlägen wird in Zukunft schweizweit in acht Kompetenzzentren, so genannten „Comprehensive Stroke Centers (CSC)“ erfolgen. Darunter befindet sich auch die „Stroke Unit“ des KSA. Jedes Kompetenzzentrum ist ausserdem damit beauftragt, ein Netzwerk aufzubauen, das es auch anderen Kliniken ermöglicht, ausgewählte Fälle vor Ort zu behandeln. Dieses Netzwerk um ein Zentrum (CSC) kann verschiedene, so genannte „Primary Stroke Centers“ umfassen, die in einem unmittelbaren fachlichen Kontakt zum Zentrum stehen. Ziel der Behandlung in einem „Comprehensive Stroke Center“ ist, in Kooperation zwischen Neurologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie und anderen Fachdisziplinen die jeweils beste Behandlung für den individuellen Patienten mit einem Schlaganfall anzubieten. Dies kann in einer Gerinselauflösung über die Vene oder über verschiedene Kombinationen von Kathetertechniken am Ort des Gerinsels oder sogar durch mechanische Entfernung der Gerinsel und Wiedereröffnung von zuvor verschlossenen Arterien erfolgen. „Auf diesem Weg wird es immer häufiger gelingen, schwere Behinderungen nach einem Schlaganfall zu verhindern und letztlich Sozialkosten zu vermindern“, erklärt Prof. Dr. Ulrich W. Buettner, Chefarzt Neurologische Klinik am KSA.

Hohe Anforderungen und Auflagen

Die Zuteilungsentscheide des HSM-Beschlussorgans erfolgten aufgrund bestimmter, für jeden HSMBereich gesondert definierter Anforderungen, die nachweislich erfüllt sein müssen. Diese betreffen die vorhandene Infrastruktur, die personellen Voraussetzungen und die Verfügbarkeit, Mindestanforderungen bezüglich der Fallzahlen sowie bestimmte Anforderungen an die Prozessqualität und die - abläufe. Jeder HSM-Bereich hat sich ausserdem dazu verpflichtet, die mit dem positiven Zuteilungsentscheid und individuell pro Bereich definierten Auflagen wie bspw. das Führen eines Registers, jährliche Berichterstattung etc. zu erfüllen.

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 18.10.11, 09:00 Uhr