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Gefürchteter Knoten in der Brust

Im zertifizierten Brustzentrum des Kantonsspitals Baden stehen Patientinnen heute modernste Operationstechniken zur Verfügung – darüber entschieden wird im Team.

Kurz notiert

Das interdisziplinäre Brustzentrum im Kantonsspital Baden ist (neben Luzern) das einzige in der Schweiz zertifizierte Brustzentrum, das von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie ausgezeichnet ist. Dieses Zertifikat wird nur vergeben, wenn klar definierte, strukturelle und vor allem auch fachliche Qualitätskriterien erfüllt werden. Ein ausgezeichnetes Zentrum wird jährlich durch mehrere Fachexperten überprüft.

Es ist Dienstagabend nach dem Fitnesstraining, als Monika Widmer (Name geändert), 39, beim Duschen eine Verhärtung in ihrer linken Brust ertastet. Am folgenden Tag bittet sie im Brustzentrum des Kantonsspitals Baden um einen Termin – und am Freitag um 14 Uhr tritt sie dort ins Sprechstundenzimmer des Leitenden Arztes Dr. Nik Hauser.

Drei Monate später, beim ersten Nachsorgetermin, ist ebenfalls wieder Freitag. Was in der Zwischenzeit geschah: Dr. Nik Hauser hat den Knoten, der sich als bösartiger Tumor in der Grösse eines Pfirsichkerns herausstellte, entfernt und den Defekt mit einem Gewebelappen aufgefüllt. «Solche Rekonstruktionen können zwar verlängerte Narben zur Folge haben, aber onkologische Sicherheit und Ästhetik lassen sich so miteinander verbinden », erklärt Dr. Hauser. Monika Widmer sprach sich nämlich gegen die Alternative einer Brustentfernung mit Rekonstruktion durch Eigengewebe aus dem Bauch oder dem Rücken wie auch gegen die Verwendung von Silikonimplantaten aus. Doch der Reihe nach.

Früher «radikal» operiert

Brusterhaltende Operationen, minimal-invasive Operationstechniken und Brustrekonstruktionen: Im zertifizierten Brustzentrum des Kantonsspitals Baden stehen den Patientinnen heute modernste Operationstechniken zur Verfügung. «Früher hat man bei Brustkrebs vielfach nicht nur die Brust selber, sondern radikal sämtliche Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Probleme mit dem Arm können die Folge sein», sagt Dr. Hauser.

Heute arbeite man mit der so genannten «Wächterlymphknoten- Technik», auch «Sentinel- Technik» genannt, die sehr viel schonender sei. Dabei wird geprüft, ob die Wächterlymphknoten von Tumorzellen befallen sind. Je nach Resultat kann man die anderen Lymphknoten im Körper belassen. «Therapieentscheidungen werden aber nicht in Eigenregie getroffen», betont Dr. Hauser. Welche Behandlung für die einzelne Patientin die Beste ist, entscheidet ein interdisziplinäres Team. So verlangt es das Zertifikat, mit dem das Brustzentrum seit Juni 2008 ausgezeichnet ist. Keine Entscheide in Eigenregie

Was bedeutet das im Alltag konkret? Gynäkologe, Radiologe, Pathologe, Strahlentherapeut und Onkologe setzen sich wöchentlich zusammen und besprechen die mögliche Behandlung jeder Patientin – vor und nach der Operation. Dr. Hauser: «Wir erstellen im Team eine komplette Tumor-Dokumentation und die Patientin wird von Anfang an über alle möglichen Schritte informiert.» Monika Widmer entschied sich nach einem ausführlichen Gespräch mit Dr. Hauser für eine brusterhaltende Operation in Kombination mit einer Bestrahlung.

«In 70 bis 75 Prozent aller Fälle können wir brusterhaltend operieren », sagt Dr. Hauser. Die Brust müsse hingegen dann zwingend entfernt werden, wenn Tumore an mehreren Stellen in der Brust vorhanden sind. «Je grösser der Tumor und je kleiner die Brust, desto eher müssen wir die Brust entfernen, da sonst kein kosmetisch zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden kann», erklärt Dr. Hauser. Übrigens: Das Risiko, dass sich ein Tumor erneut ansiedle, sei gleich gross – egal ob die Brust entfernt oder ob brusterhaltend operiert wurde in Kombination mit einer Bestrahlung.Und mit einem weiteren Vorurteil räumt Hauser ebenfalls auf: «Nur etwa zehn Prozent aller Patientinnen wollen nach einer Brustentfernung eine Rekonstruktion. Die meisten Frauen arrangieren sich mit der Tatsache, nur noch eine Brust zu haben.»

Griff zu eigenem Gewebe

Heute geniesse die onkoplastische Operationstechnik einen hohen Stellenwert. Das heisst: Wie bei Monika Widmer wird nur ein Teil der Brust entfernt, der Defekt mit eigenem Gewebe gefüllt und die Brustform wieder hergestellt – «onkologisch sicher und kosmetisch überzeugend, wenn von einem erfahrenen Operateur durchgeführt», wie Dr. Nik Hauser betont.

Ursula Känel Kocher

Letztes Update: 21.01.10, 11:20 Uhr

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