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«Einmal ist jeder Rucksack leer»

Was der Alltag von Angehörigen von psychisch Kranken mit einem «Survival-Trekking» gemeinsam hat? Susanne Wipf erklärts im Interview.

Frau Wipf, wie merkt man, dass man als Angehöriger gefährdet ist, selber zu erkranken?

Susanne Wipf: Häufige Alarmzeichen sind Schlafstörungen; wenn sich die Gedanken nur noch um die Erkrankung des Familienangehörigen drehen, man dadurch derart übermüdet ist, dass der eigene Job darunter leidet oder man sämtliche eigenen, geliebten Hobbys zurückstellt. Wenn man daran zweifelt, ob es möglich ist, dass man zum Beispiel einmal wöchentlich an einem Abend das Training im Turnverein besucht – dann sollte einem das zu denken geben.

Wie viel kann man als Angehöriger ertragen?

Die Belastbarkeit ist sehr individuell ausgeprägt. Ich vergleiche das jeweils mit einem Bild: Jeder Mensch hat einen Rucksack, der ihm hilft, mit Druck, Belastung, Problemen und Stress umzugehen. Bei den einen hat dieser die Grösse eines «Trampers», bei den anderen den einer Gucci- Handtasche. Das Zusammenleben mit einem psychisch Kranken, der immer wieder Rückfälle hat, ist für die Angehörigen wie ein «Survival- Trekking»: Um Blumen zu pflücken am Wegrand, also fürs eigene seelische Wohlbefinden, bleibt da wenig Raum. Und auf Dauer ist irgendwann jeder Rucksack leer.

Warum ist es so schwierig, sich Hilfe zu holen?

Psychiatrische Erkrankungen sind leider immer noch Tabuthemen. Zu sagen, dass der Mann an Diabetes leide, ist relativ einfach und unproblematisch. Aber sagen Sie einmal in einer Gesellschaft: «Mein Mann hört ständig Stimmen und fühlt sich verfolgt.» Da werden Sie mit Sicherheit sehr schräg angeschaut.

Kontakt: Telefonisch unter der Nummer 056 462 24 61 (Montag bis Donnerstag); per E-Mail unter angehoerige@pdag.ch oder via Internet unter www.pdag.ch

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 13.10.10, 09:21 Uhr