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Den Krebszellen auf der Spur

In der Pathologie des Kantonsspitals Aarau landen täglich 150 Gewebeproben unter dem Mikroskop von Chefarzt Michael Kurrer und seinem Team. Ein Einblick.

Das faustgrosse Ding schwimmt in einem durchsichtigen Behälter in einer klaren Flüssigkeit. «Ein Dickdarmabschnitt», erklärt Michael Kurrer, seit Februar Chefarzt der Pathologie am KSA. Entnommen wurde es einem Patienten, der seit längerem unter Bauchschmerzen und Problemen beim Stuhlen leidet. Kurrer streift sich Handschuhe über, nimmt die Gewebeprobe heraus und schneidet sie sorgfältig auf. «Hier hat es so genannte Divertikel, also Ausstülpungen des Darms» stellt er nach einer kurzen Untersuchung fest. Das habe zu Vernarbungen und damit zu den Schmerzen geführt. «Es ist ziemlich sicher kein Krebs. Um ganz sicher zu sein, wird das Gewebe aber noch unter dem Mikroskop untersucht.»

Dies ist eine von rund 150 Gewebeproben, Biopsien und Resektate genannt, die täglich in der Pathologie des KSA landen. Einige davon sind bloss wenige Millimeter gross - zum Beispiel Prostata- oder Brust-Gewebe, das mit einer Nadel entnommen wird. Daneben gibt es auch grössere Exemplare wie das erwähnte Stück Dickdarm oder auch mal ein ganzer Lungenflügel. Was allen Proben gemeinsam ist: Die Personen, denen sie entnommen wurden, leben - und das Ergebnis der pathologischen Untersuchung bestimmt die weitere Behandlung dieser Patienten. Michael Kurrer betont: «Es ist - nicht zuletzt wegen den aktuell sehr beliebten Fernseh-Serien - ein weit verbreiteter Irrglaube, dass wir in der Pathologie nur mit Verstorbenen zu tun haben.»

Die Gewebeproben werden in einem aufwendigen Verfahren zu hauchdünnen, wenigen Mikrometer dicken Scheiben - so genannten «histologischen Schnitten» - präpariert und landen bunt angefärbt auf einem Objektträger unter dem Mikroskop von Michael Kurrer und seinem Team. «Die Aufgabe der Pathologen ist es, festzustellen, ob eine krankhafte Veränderung vorliegt oder nicht. Und dies ganz neutral und nüchtern.» In seiner Einschätzung dürfe man sich nicht durch Erschütterung leiten lassen über das Schicksal der Patienten, von denen manche nach der Diagnose absehbar noch einen langen Leidensweg vor sich hätten.

Sein Dienst am Patienten, so Kurrer weiter, sei es, eine Diagnose möglichst genau und schnell zu stellen. Denn - und das ist die positive Nachricht - «bei Krebs bestehen heute gute Heilungschancen, sofern man die Krankheit bereits in einem frühen Stadium oder einer Vorstufe erkennt.» Bei allem gilt: Für eine optimale Entscheidung über die beste Therapie setzen sich alle beteiligten Fachspezialisten zusammen und erarbeiten gemeinsam einen Behandlungsvorschlag für den einzelnen Patienten. Findet der Pathologe Krebs, untersuchen der Radiologe und Nuklearmediziner, ob sich in anderen Körperregionen bereits Ableger gebildet haben. Der Chirurg übernimmt, wenn nötig, den operativen Eingriff; der Onkologe koordiniert eine medikamentöse Behandlung sowie eine allfällige Chemotherapie - und der Radiotherapeut kümmert sich um eine notwenige Strahlentherapie. Muss ein Stück eines Organs chirurgisch entfernt werden, kontrolliert der Pathologe danach, ob damit der Krebs vollständig entfernt werden konnte oder ob nachbehandelt werden muss.

Im Normalfall werden die Biopsien in der Pathologie innert 24 Stunden verarbeitet. Doch gibt es auch das Express-Verfahren - dann nämlich, wenn die Patientin bereits in Narkose mit geöffnetem Bauch auf dem OP-Tisch liegt, beispielsweise die Gebärmutter mit dem Krebs bereits herausoperiert worden ist und der Chirurg wissen muss, ob der Gebärmutterkrebs schon so weit fortgeschritten ist, dass er auch gleich noch die angrenzenden Lymphknoten entfernen muss. Dank Gefrierschnitt-Technik ist in diesen Fällen eine Diagnose innert 20 Minuten möglich.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr Überschneidungen zur Mikrobiologie. Tatsächlich ist ein Teil der Krebserkrankungen durch Erreger, besonders Bakterien und Viren, verursacht. Der Magenkrebs beispielsweise entsteht häufig nach jahrelanger Magenentzündung durch ein Bakterium, den Helicobacter. Durch Geschlechtskontakt übertragene Papillom-Viren, sogenannte HPV, sind für fast alle Gebärmutterhalskrebse verantwortlich. «Diese Viren», erklärt Hans Fankhauser, Mikrobiologe am KSA, «lassen sich mit modernen molekularen Methoden nachweisen.» Mit einer neuen Impfung gegen HPV können sogar drei Viertel der bösartigen Virusinfektionen und Gebärmutterhalskrebse verhindert werden.

Einen immer bedeutenderen Platz nehmen auch die medizinische Genetik und die molekulare Pathologie ein. «Bei Patienten, in deren Familie gehäuft Krebs aufgetreten ist, kann eine genetische Beratung und eine molekulargenetische Untersuchung angezeigt sein», erklärt Benno Röthlisberger, Medizinischer Genetiker und Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik am Zentrum für Labormedizin des KSA.
So könne festgestellt werden, ob ein Patient aufgrund einer vererbten genetischen Veränderung eine Veranlagung zu einer Krebserkrankung habe und gezielte Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden sollten. Röthlisberger: «Im Bereich der Molekularpathologie kann beispielsweise festgestellt werden, ob ein Krebs aufgrund einer erworbenen Genveränderung auf ein bestimmtes Medikament anspricht oder nicht. Aber auch die Diagnose- und Prognosestellung bei Krebserkrankungen beruht immer häufiger auf genetischen Resultaten.»

 

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 22.10.09, 10:43 Uhr

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