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Auch mal Kochen morgens um zwei

In der Klinik Königsfelden werden Patienten – abhängig von ihrer Erkrankung – neu in speziellen Schwerpunktstationen untergebracht. Davon profitieren alle, sagt Matthias Hilpert, Leitender Arzt

Mittwoch, 8.30 Uhr, grosser Morgenrapport in der Schwerpunktstation P8-E. Hier werden Menschen behandelt, die an Depressionen oder Angststörungen leiden. Das Team von Oberärztin Irene Baltensperger und Stationsleiter Roland Hirrlinger sitzt gemeinsam am Tisch. Pflegefachmann Dylan Bush hat einen Stapel Patientenakten vor sich und informiert: «Frau S., die wegen eines Suizidversuchs von der Bezirksärztin eingewiesen wurde, hat gut geschlafen und war erstmals im Park spazieren. Herr M. ist immer sehr müde, er ist gestern bis 15 Uhr nicht aus dem Bett gekommen; Herr L. bekam Besuch von seiner Familie und war danach sehr aufgewühlt.» Die Ärzte und Pflegefachleute besprechen die aktuelle Situation von jedem der 17 Patienten und legen fest, was heute bei wem auf dem Programm steht.

Alarmzeichen erkennen lernen

Etwa «Psycho-Edukation» bei Psychologe Armin Blickenstorfer. Bei dieser Gruppen-Therapie erfahren die Patienten mehr über das Krankheitsbild der Depression und vor allem auch, welches die Alarmzeichen sind, auf die man später, nach dem Klinikaufenthalt, ein Auge haben sollte. «Depressionen gehen vielfach mit Schlafstörungen einher», erklärt Roland Hirrlinger. «Um den Schlaf- Wach-Zyklus wieder zu regulieren, werden etwa unterstützend Lichttherapie oder auch Wachtherapie auf der Station angeboten.» Patienten, die aus diesem Grund morgens um zwei zusammen in der Stationsküche kochen, um wach zu bleiben – auch das ist Psychiatrie.

Patienten «lernen von den andern»

Die Station P 8-E ist eine von vier so genannten Schwerpunktstationen der Klinik Königsfelden. Die Klinik hat im letzten Sommer auf das Konzept «Schwerpunktstationen» umgestellt. Seither werden Akut-Patienten nicht mehr einfach auf derjenigen Station behandelt, in der ein Bett frei ist, sondern nach Möglichkeit eben auf der Station, die auf das jeweilige Krankheitsbild ausgerichtet ist. Laut Matthias Hilpert, Leitender Arzt Allgemeinpsychiatrie, liegt der Vorteil der Schwerpunktstationen auf der Hand: «Man kann das Therapie- Angebot ganz gezielt den Bedürfnissen der Patienten anpassen. Dadurch können sich die Mitarbeiter spezialisieren.» Ein Teil der Patienten profitiere zudem vom Lernen von anderen, die an derselben Erkrankung leiden; Angehörige fänden leichter Zugang zu Angehörigengruppen, die von den Mitarbeitern der Schwerpunktstationen angeboten werden. «Und nicht zuletzt können auf eine bestimmte Krankheit ausgerichtete Psycho-Edukationen in Gruppen abgehalten werden, was ökonomisch günstiger ist als Einzel-Sitzungen.»

Bisherige Erfahrungen positiv

Die bisherigen Erfahrungen sind gemäss Matthias Hilpert sehr positiv. Seit Einführung der Schwerpunktstationen habe die Patientenzufriedenheit, die in regelmässigen Umfragen erhoben wird, nochmals zugenommen. Matthias Hilpert: «Die Einführung der Schwerpunkte hat bei den Mitarbeitenden zu einem deutlichen Zuwachs an störungsspezifischem Fachwissen geführt; sie zeigen grosses Interesse an entsprechenden Fortbildungen und an den Weiterentwicklungen ihrer Schwerpunkte.»

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 02.03.11, 10:08 Uhr